Definition: Polysem

Als Polysem bezeichnen wir Begriffe mit gleicher Schreibweise und gleicher Aussprache, die jedoch mehrere unterschiedliche - aber semantisch verwandte - Bedeutungen besitzen.

Ein einfaches Beispiel ist das Wort gehen:

  • die Person geht sich fortbewegen
  • der Teig geht sich ausdehnen, aufgehen
  • die Uhr geht funktionieren, laufen

Allen Bedeutungen liegt ein gemeinsamer Bedeutungskern zugrunde, der sich auf eine Form von Bewegung, Verlauf oder Entwicklung bezieht.

Anmerkung

Bank als Polysem?

Oft wird das Wort Bank als Polysem angeführt. Tatsächlich ist es heute jedoch ein Homonym, also ein Wort, dessen unterschiedliche Bedeutungen keine gemeinsame semantische Eigenschaft mehr aufweisen.

Historisch betrachtet war Bank ursprünglich ein Polysem: Die Bedeutungen Sitzgelegenheit und Geldinstitut gingen beide auf die Vorstellung einer Erhöhung bzw. eines Tisches zurück, an dem Tätigkeiten ausgeübt wurden (z. B. Geldwechsel). Dieser Bedeutungszusammenhang ist im heutigen Sprachgebrauch jedoch nicht mehr erkennbar.

Da die Bedeutungen gegenwartsbezogen nicht mehr semantisch verbunden sind, wird Bank linguistisch als Homonym eingeordnet, auch wenn sprachgeschichtlich ein gemeinsamer Ursprung besteht.