Konstrukte:Involvierte Definitionen:Veranstaltung: IRReferenz: @wagenpfeil2024 (KE4, p. 3 f.)
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Definition: Relevanztheorie
Als Relevanztheorie nach Wilson und Sperber bezeichnen wir eine linguistisch-kognitive Theorie der Kommunikation, die erklärt, wie Menschen Informationen auswählen und interpretieren, um maximalen kognitiven Nutzen bei minimalem Verarbeitungsaufwand zu erzielen.
Sie basiert auf zwei Relevanzprinzipien:
- Kognitives Relevanzprinzip: Das menschliche kognitive System ist darauf ausgerichtet, automatisch relevante Reize aufzunehmen und daraus Schlüsse zu ziehen.
- Kommunikatives Relevanzprinzip: Jede Äußerung erzeugt beim Empfänger die Erwartung, dass sie relevant ist, da der Sprecher die Aufmerksamkeit des Hörers auf relevante Informationen lenkt.
Die Theorie geht davon aus, dass Kommunikation immer eine Absicht (Intention) des Senders transportiert, die der Empfänger auf Basis von Beweisen inferiert. Relevanz ergibt sich demnach aus der Verknüpfung zwischen Intention, Kontext und vorhandenen kognitiven Ressourcen.
In Information-Retrieval-Systemen wird dieses Prinzip übertragen, indem relevante Dokumente solche sind, die für den Nutzer neue, nützliche oder bedeutungsvolle Informationen liefern und dessen Informationsbedarf optimal erfüllen.